Ostpreußen heute

Preußen hat nach Beschluss des Alliierten Kontrollrats 1947 aufgehört zu existieren. Als Staat. Das mag von vielen, die Preußen nie verstanden haben, begrüßt worden sein. Auch von vielen Deutschen. Es war im Nachkriegs-Deutschland Staatsräson. Kein ehemaliger deutscher Staat war so verherrlicht, so umstritten und so missverstanden worden. Aber es gab auch und gibt heute noch viele Menschen die dies schmerzte und noch immer schmerzt. Dies wird verständlich, wenn man Preußen nicht nur als Hort des Militarismus definiert, sondern mehr sieht als das. Was es auch war. Es war auch das von Kant, Herder, Klopstock, Körner, v. Hardenberg,  v. Stein, Schinkel und v. Humboldt um nur einige Wenige zu nennen. Mit dem Untergang Preußens verschwand auch Ostpreußen. Und damit ein Land nicht nur der dunklen Wälder und kristallnen Seen. sondern ein Land mit einem Menschenschlag besonderer Prägung, der in seiner ethnischen Mischung wohl einzig in Preußen war. Kaum einer von ihnen, der es verlassen mußte, hat nicht in inniger Liebe sich seiner erinnert.

Das Land, das mal Ostpreußen hieß ist heute ein Land das im Norden zu Rußland und Oblast Kaliningrad (Königsberg) heißt und im südlichen Teil zur Republik Polen gehört. Die Grenze, die damit auch Grenze zwischen der EU, NATO und Rußland ist, verläuft recht genau entlang des 54° 20' Breitengrad zwischen Frischer Nehrung und Romintener Heide. Die alten Namen sind verschwunden, im Oblast sind teils willkürliche Namen geschaffen für Königsberg ist es Kaliningrad, benannt nach einemstalinistischenPolitikerMichail Iwanowitsch Kalinin. Insterburg heißt nun Cherniahovsk nach einem dort 1945 gefallenen General der Sowjettruppen. Gumbinnen heißt nun Gusev nach einem Hauptmann der Sowjetarmee und Tilsit Sovetsk. Nach relativ langen Jahren der totalen Abkapselung und Sowjetisierung hat sich inzwischen im Oblast ein vorsichtiger, aber doch immer stärkerer Wille zur Erhaltung des Erbes auch aus deutscher Zeit herausgebildet. So ist in Gumbinnen das Standbild von Friedrich Wilhelm I wieder erstellt und ein großes Elchstandbild aus Königsberg dort aufgestellt worden. Man versucht den aufkeimenden Tourismus, vor allem auch von Deutschen, die ihre ehemalige Heimat aufsuchen, zu nutzen. Dennoch sind Visa erforderlich und nur bestimmte Übergänge von Polen in den Oblast vorgeschrieben. In Königsberg wird eine deutschsprachige Zeitung herausgegeben, der "Königsberger Express", der auch online unter www.koenigsberger-express.com zu lesen ist. (siehe auch Links)

Anders im südlichen Teil, dem in der Republik Polen. Die Ortschaften habe zwar auch andere Namen, aber man hat wo immer möglich diese keine Willkürlichkeit erfahren lassen. Die Neubenennung hat dann auch seinerzeit oft innerpolnische Diskussionen ergeben, wie z. B. die Umbenennug von Lötzen in Gizycko. Da die Republik Polen heute ein EU und Nato-Mitgliedsstaat ist, sind die Möglichkeiten die Freizügigkeit zwischen Deutschland und Polen beiderseitig gegeben. Viele Städte in Deutschland haben Patenschaften zu polnischen Städten im ehemaligen Ostpreussen. Polnischen Autokennzeichen gehören zum alltäglichen Straßenbild in Deutschland, wie auch viele Deutsche heute Urlaub oder Erkundungstouren auf den Spuren ihrer Vorfahren an den Masurischen Seen oder an der Ostsee machen. Polen besuchen ihre Verwandten in Deutschland, viele arbeiten hier nicht nur als Saisonkräfte. Es wird politisch von beiden Seiten je nach Coleur noch über das Eine oder Andere gestritten und gerangelt, aber es herrscht mehr Übereinstimmung als Dissenz. Polen ist heute neben Frankreich Deutschlands wichtigster politischer Partner in Europa. Dass der amtierende polnische Ministerpräsident Donald Tusk am 13.5.2010 mit dem Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet wurde, ist belegter Beweis für eine angebahnte Normalisierung der deutsche-polnischen Verhältnisse.

Die gegenseitigen Wunden verheilen langsam, aber sie heilen.