Die Gossings
 

                      Französische  

 

 

             Schweizer in Ostpreußen

 

                1710 bis 1945

              von Harald Gossing

                                                Vorläufiges Ergebnis der Recherche

                                 zur

                                           Familie  Gossing

                                                                                                                                                                              Stand vom Februar 2009

 

 

Im Zusammenwirken von und mit Frau Simone Snykers (ihre Großmutter ist eine geb. Gossing) und Herrn Christian Gossing und ihrer umfassenden Auswertungen der verschiedensten Quellen ist nachweisbar, dass die Familie Gossing als 'Gossin' aus dem Ort Crèmines im Schweizer Jura, Kanton Bern, stammt und nach Quellenlage nach der Pest in Ostpreußen (1708-1711) mit Teilen in die Gegend von Gumbinnen (heute Gesowo/Gusev) im Oblast Kaliningrad, früher Königsberg) ausgewandert ist. Crèmines gehört zum Jura, dem französisch sprechenden Teil des Kantons Bern in der Schweiz, der mehrheitlich deutsch spricht. Die erste schriftliche Erwähnung von Crémines erfolgte1461unter dem NamenCrimene, später erschien die Bezeichnung Cremin. Der Fund von Gräbern aus dem Frühmittelalter weist aber auf eine wesentlich frühere Besiedlung des Gebietes hin. Der Name leitet sich vom französischen „Creux des mines“, was so viel wie Erzgrube heißt, ab. Erz wurde dort gefördert, geschmolzen und verarbeitet. Ein Gossin hat bis 1950 eine Schmiede in Crémines betrieben. Das heutige Gemeindewappen ist ein roter Schmelztiegel.Crémines und die Propstei Moutier-Grandval gehörten bis 1797 zum Fürstbistum Basel (Teil des römischen Reiches deutscher Nation). Die Propstei Moutier-Grandval, das Vallée Saint-Imier und La Neuveville standen mit den Städten Biel und Bern seit der Reformation im Burgrecht, dadurch gehörte der reformierte südliche Jura (die heutigen bernischen Bezirke Moutier, Courtelary und La Neuveville) de jure zum Fürstbistum Basel, de facto aber wegen dem Burgrechtsvertrag mit Bern als «Zugewandter Ort» war er Teil der schweizerischen Eidgenossenschaft. Deshalb eroberte Frankreich 1792 nur den nördlichen Teil und erst 1797 (kurz vor dem Angriff auf die Schweiz 1798) auch den südlichen Teil des Fürstbistums Basel.Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam der Ort 1815 an den Kanton Bern zum Bezirk Moutier.  

Dass die Gossins bereits vor der Reformation in Crémines gelebt haben ist auch durch die Recherche von Pierre Henry aus dem Jahr 2005 bei der Societe jurassienne d'émulation bestätigt. Ein hugenottischer Hintergrund der zur Auswanderung nach Ostpreussen "zwang"  ist  wohl ausgeschlossen.  Dennoch mögen durch Einheiratungen z.B. in Ostpreussen ebenso Hugenotten auch der Religion und Sprache wegen in der Gossing-Familie vorhanden sein. Ein Cleuvy Goussin geb. 1485 ist in den Kirchenbüchern von Crémines verzeichnet. Der in denselben später nachweisliche Jean Gossin lebte bereits 1506  in Crémines. Die jeweils ersten ihrer Linien auch der Gossin/Gossing in Ostpreußen (Nach derzeitigem Kenntnisstand)

 

 

Nach den vorliegenden historischen Quellen sind die ersten Gossins im Zuge von „Patenten“, die König Friedrich I. in Preußen, später dann König Friedrich Wilhelm I. von Preußen  zur „Repeuplierung“ des von der Pest verwüsteten Ostpreußens bereits im Jahre 1710 wohl nach ca. vier Monaten  über Uckermark und die Neumark  nach Königsberg und dann in die Gegend zwischen Insterburg und Gumbinnen (Pieragienen/Pißdehlen) gelangt. Es sind ein Jean Gossin und sein jüngerer Bruder Abraham  (Stamm Gorion G, CH3) gewesen, die am 2.3.1710 Crémines verließen. Beide Namen finden sich später wieder in den Akten und Petitionen an den König. Abraham ist nachweislich auch noch 1711/1712 wieder in Crémines zur weiteren Anwerbung von Schweizern gewesen. Ob Adam G. und sein Sohn Jean G. (Stamm Martin G., CH 5) davon angeworben wurden, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, da der Name Gossin unter den neuen Kolonisten der Jahre 1712/1713 im Dorf Pißdehlen auftaucht. * siehe Horst Kenkel SoSchrr. Nr.13 VFFOW

 

 

Nach dem bisher ermittelten Sachstand, die vor allem Christian Gossing bei seinen Recherchen vor Ort in Crèmines  dem Studium von Kirchenunterlagen, die ihm vom dort ansässigen reformierten Pastor, Jean-Philip Gobat, zur Verfügung gestellt wurden und die er kopieren durfte, verdankt, kann man die Familien Gossing derzeit in sechs Familienzweige einteilen:

  • Familie Carl Gossing (dazu gehört Simone Snykers)  CA
  •  Familie Emil Gossing   EG 
  • Familie Friedrich Albert Karl Gossing (dazu gehört Erwin Gossing)   AK   

 

  •  Familie Gottlieb Samuel Gossing (dazu gehört Christian Gossing)  GS
  •  Familie Johann Gossing (dazu gehört Harald Gossing)  JG
  • Familie Johann David Gossing  JD

     

Ein von Christian Gossing erstellter Stammbaum führt alle bisher bekannten Zweige der Familie auf, auch die, die sich heute noch im Ort Crèmines als Gossins befinden. Es ist bei den Gossings bisher nur gelungen die Stammlinie der Familie Johann G. sicher nachzuweisen, die der  Familien von  Johann David G. und  von Carl G. sind noch nicht endgültig geklärt, die von Emil G., Gottlieb Samuel G. und Friedrich Albert Karl G. stehen noch aus.

 

Als eine „Sommersprosse“ ist zu werten, dass ein Samuel Gobat (1799-1879) erster evangelischer Bischof von Jerusalem war und in Crèmines geboren wurde. Sein Neffe, Charles Albert Gobat, war schweizer Friedensnobelpreisträger von 1902.  Eine Magdeleine Gobat war mit einem Jean Gossin geb. 1637 aus Crèmines verheiratet. Die Familie Gobat ist auch heute noch in Crémines ansässig, wie sie auch in Ostpreußen vertreten waren. Allerdings ergeben die Unterlagen, dass die meisten Gossins/Gossings allen Berufständen vom Tagelöhner bis zum Staatsdiener in höheren Rängen angehörten. Der Bauernstand scheint aber überwiegend vorhanden gewesen zu sein.

 

Der Name wurde im Laufe der Jahre insbesondere in Ostpreußen verändert. Dies entsprach der Norm, da die Schreiber der Kirchenbücher der französischen Sprache nicht immer mächtig waren und daher die Namen phonetisch schrieben. So kann es zu  Gossin/Gossein/Gossain/Goßain gekommen sein. Die „Eindeutschung“ dürfte zwischen 1860 und 1870  erfolgt sein.

 

Ziel der weiteren Recherche ist die Verknüpfung der sechs (oder ggf. weiterer) Stammlinien mit Stamm und untereinander  herbei zu führen

                                                                                  

Quellen:  

 -     Kirchenbücher der Gemeinde Crémines, aufgestellt und geführt von  Herrn Pastor Jean-Philippe Gobat, Crémines.          

 

-          Kenkel, Horst, „Französische Schweizer und Réfugiés als Siedler im nördlichen Ostpreußen (Litauen)“ 1710-1750. Unter Auswertung des Nachlasses von Bernhard Haagen, Hamburg, 1970. Im Selbstverlag des Vereins. Sonderschriften des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V. Nr. 13 

 

 

 

 

 -      Pierre Henry, Les noms de famille jurassiens, 2005, Verlag D + P , Delémont, für Société jurassienne d'émulation. S. 300

 

-          Berwein, Lothar „Ansiedlung von Schweizer Kolonisten im Rahmen der Repeuplierung Ostpreußens. Untersuchung einer 1712 ausgewanderten Gruppe aus der Landvogtei Sax-Forsteck.“, Hamburg, 2003. Im Selbstverlag des Vereins. Sonderschrift des Vereins für Familieforschung in Ost-und Westpreußen e.V. Nr. 103. (Dissertation zur Erlangung akad. Grad Dr. phil., Geschichtswissenschaften J.-Gutenberg-Universität  Mainz)                                                            

 

-          Dr.Maire, Siegfried, Geschichtsblätter des Deutschen Hugenotten-Vereins, Berlin 1939, Verlag des Deutschen Hugenotten Vereins,     Französischer Dom

-       Dr. Maire, Siegfried, Altpreußische Monatschrift (APM) Band XLVI, Heft 3 " Die ersten Schweizer Kolonisten in Litauen"

 

-   Recherche/Dokumentation von

        Simone Snykers, Krefeld

        und Christian Gossing, Köln

                                              

 

 

-         Eigene Recherche in Familienunterlagen, öffentliche Publikationen, Internet, Dokumentation Stiftung PKB, MGFA Potsdam u.a.m.

 

                                             

                                       Die Hauptstammlinien der Familien Gossin/Gossing

  


                         

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           aufgestellt nach einem Ordnungssystem von Christian Gossing

Hinweis: 

Hier sind nur die Hauptstammlinien CH3C und CH5C dargestellt. Aus der Linie CH3 haben sich in der Schweiz

und andeswo noch mehr Linien (CH3D - CH3G nach derzeitigem Kenntinsstand) herausgebildet.

Aus der Linie CH5C haben sich (nach derzeitigem Kenntnisstand) die Linien AK, CA, EG, GS, JD und JG gebildet.

Abraham und Jean G. aus der Linie CH3 (1710) und Adam G. aus der Linie CH5 (1712) waren die ersten Gossin

in Ostpreußen.